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Freitag

Oslo

Tag 15 (Donnerstag, 16. Juni 2011)
0km | 0hm | 0:00:00 | 15°- 24° | 0km | 0hm.






Frühstück bei strahlend blauen Himmel.
Mit dem Bus geht's heute - nachdem die Wäsche gewaschen und getrocknet ist - nach Oslo.




Der Bahnhof ist der Treffpunkt für organisierte Bettlerfrauen.
Kaum sitze ich vor dem Bahnhof auf einer Mauer kommt schon eine und bietet mir einen wertlosen goldenen Ehering an. Klimpert schon so billig. Sagt irgendwas was von „jeboti" und dann auf Englisch: „Where you come from?" 
Ich denke nur „Jeboti selber..." und ignoriere sie bis sie sich schleicht. Kurz darauf sehe ich sie in einer Seitenstraße mit zwei Kolleginnen SMS verschicken.




Aber auch Penner und Fixer vertreiben sich hier am Bahnhof die Zeit.



Armes Norwegen!




Morgen geht es weiter. Mann könnte sagen: "Ab in die Bergetappe!" 
Tabletten sind gebunkert.

Samstag

Oslo - Kongsvinger

Tag 16 (Freitag, 17. Juni 2011)
121km | 708hm | 6:12:37 | 10°- 11° | 1934km | 13067hm.






Es prasselt laut auf mein Zelt. Es regnet in Strömen. Da kommt keine richtige Lust auf den warmen, trockenen Schlafsack zu verlasen. Doch meine Blase will - nein sie muss - raus und so entscheide nicht ich diese Frage. 
Um 10:00Uhr beginnt der "Waschgang in der Spülmaschine". Meinem Knie geht's gut und die Radwege könnten glatt von einem deutschen Stadtplaner sein (= beschissen!).
Nach 30km dann der erste Nadelstich im Knie - nicht beim treten sondern beim Versuch den Schuh im Pedal zu fixieren. Da gab's dann erst mal eine Schweigeminute.
Bin gerade im ersten Hauptwaschgang. In Årnes will ich vor dem Spülgang ins Trockene. Doch das nächste Zimmer gibt's angeblich in Skarnres. Dort wird mir klar gemacht, dass ich einen zweiten Waschgang bis nach Kongsvinger durchfahren muss, um ein Zimmer zu bekommen.
Trotz meines Knies komme ich - bis auf die Knochen aufgeweicht - an, gönne mir ein Zimmer, werfe mir ein paar Ibuprofen ein und... Tschüss.

Donnerstag

Kongsvinger - Elverum

Tag 17 (Samstag, 18. Juni 2011)
98km | 496hm | 4:24:50 | 9°- 11° | 2032km | 13067hm.


Nachdem gestern die Bremsleistung hinten gleich Null war, musste das erst geprüft werden.





Die Bremsgummis wurden innerhalb 2000km vom Dreck wegradiert. In einer Intersport-Filiale gab es die guten xtr-Bremsgummis für mein Rad.





Nach dem Einkauf ging es direkt weiter. Es regnete auf der Rv.210 die ganzen 90 km. Das schöne: Nur 15 Autos überholten mich auf der ganzen Strecke.
Nach 70km gaben die Gamaschen auf und die Füße wurden kalt. Eigentlich sollten heute noch 50km runter aber das wird nichts. Nach einer kurzen Mittagspause kommt mein Körper nicht auf Betriebstemperatur und so führt mich mein Radweg zum Zeltplatz in Elverum.
Meinem Knie geht es, seit ich den Sattel um einen Zentimeter nach vorne verschoben habe, etwas besser. Hoffe das wird noch. Morgen sollten 180km auf die Reifen.





Füße trocknen und Nudelwasser heizen in einem.
Sorry! :)


Bei dem Wetter bleibt mein iPhone lieber im Trockenen und so komme ich nicht zum Scannen nach offenem WLAN Netz, darum gab es gestern auch keinen Bericht. Könnte bei dem Wetter nicht das einzige Mal sein.

Freitag

Elverum - Atna

Tag 18 (Sonntag, 19. Juni 2011)
123km | 759hm | 5:38:23 | 13°- 18° | 2155km | 13828hm.

Mein erster Gedanke: Es regnet nicht. Aber der Himmel sieht aus, als wolle er gleich Wasser lassen. Also schnell packen und ab. Dabei sehe ich einen Radfahrer mit vier Satteltaschen den Zeltplatz verlasen. Schade, hätte gern gewusst wo es hingeht. Vielleicht in die selbe Richtung? Wäre schön zu zweit.




Nach einer Stunde hole ich ihn ein. Wäre doch nicht's mit uns geworden. Er ist zu langsam. Aber ein Gespräch drücke ich im trotzdem auf. „Wohin geht's?" - Deutscher, war ja klar :-). „Nach Trondheim und dann die Küste runter nach Bergen" erzählt er mir. „Und du?", „An's Nordkap." sag ich. Da würde er auch hin fahren aber er hat nur 3,5 Wochen Zeit. :-) Ich denk mir, nachdem ich nachgerechnet hab, mehr Zeit habe ich auch nicht.
Netter Kerl, hätte länger mit ihm quatschen können.




Aber die Sonne lacht mir ins Gesicht und mein Knie treibt mir die Tränen in die Augen. So das bei 120 km nichts mehr geht.




Aus meiner "autofreien" asphaltierten Strasse wird auf den letzten 18km eine Schotterpiste. Hatte heute schon zwei Platten. Ob die schmalen Reifen das aushalten?

Atna - Trondheim

Tag 19 (Montag, 20. Juni 2011)
13km | 91hm | 0:37:36 | 9°- 14° | 2168km | 13919hm.

Bevor das Zelt verpackt ist, wird alles wieder nass. Hätte mich gefreut die Sachen trocken aufstellen zu können. Weiter nördlich reißt der Himmel stellenweise auf und wenn dich die Sonne trifft, heizt sie dich blitzschnell auf - bevor der nächste Schauer dich genauso schnell wieder abkühlt.





Beim Frühstück vor einem 'Spar', kommt ein alter Norgi mit seinem Hund vorbei. Er sabbert etwas auf norwegisch. Worauf ich nur erwidere: „Tyskland". Da sagt er: „Deutschland über alles!" - das ist alles was er kann :-).


Gestern wurde der Schmerz im Knie immer schlimmer. Bei leichten Anstiegen (4%) zog das Stechen vom Knie bis in die Hüfte und dabei fuhr ich langsamer als ein Rollator.








Heute Morgen dann, entschied ich mich den Zug nach Trondheim zu nehmen. Um dort zu entscheiden wie es weiter gehen soll.








Entweder Heim fahren und shoppen, was die Wirtschaft freuen würde.
Oder 2 Tage Pause in Trondheim. Teste danach mein Knie auf dem landschaftlich schöneren Teil dieser 'Tour de Nordkap' und entscheide dann.
Ich bin für Variante 2. Fragt sich nur was mein Knie will...








Zwischenstopp in Røros.

Flakk (Trondheim)

Tag 20 (Dienstag, 21. Juni 2011)
26km | 182hm | 1:14:00 | 10°- 15° | 2168km | 13919hm.



Ruhetag!
Flakk liegt 11km westlich von Trondheim.





Von hieraus bringt die Fähre jene die nach Norden wollen über den Trondheimfjord und umgekehrt. Hier finden sich 8 Radfahrer, 5 Enduro Biker und zwei Rollerfahrer, die alle das Extreme suchen. Männer halt :-D! Nichts für Robinson-Club-Pauschal-Urlauber.
Beim Plausch mit einem Engländer - er ist 60 und der erste Radfahrer mit dem Ziel Nordkap -  erfahre ich, dass die Lemminge ein hohe Population erreicht haben und gerade dabei sind in Massen von der Klippe zu springen. ;-) Sie sterben halt gerade wie die Fliegen. Das Problem dabei, ihre Kadaver landen in den Bächen und verunreinigen es. Zwei junge Engländer entnahmen ihr Trinkwasser aus einen Bach und erkrankten dadurch. Die Folge war: Sie lagen zwei Tage flach. Das Zelt der Beiden steht drei Plätze weiter. Inzwischen futtern die Beiden wieder wie die Heuschrecken.

Donnerstag

Flakk - Holmset an der Rv.17

Tag 20 (Dienstag, 21. Juni 2011)
128km | 1419m | 6:10:06 | 7°- 13° | 2296km | 13919hm.

Um 6:00 Uhr ziehe ich den zur Schlafbrille umfunktionierten Buffer ab, ziehe den Gehörschutz aus den Ohren und stehe auf. Einen weiterer Tag in Trondheim, da würde mir die Decke - nein Zeltplane, auf den Kopf fallen.
Ab auf die Fähre und über die Rv.715 zur Rv.720. Es ist kalt (7°C) und es nieselt. Aber ist ok. Nach 20km verschwindet der Verkehr...





...und die schöne Straße gehört mir und noch 1700km dann bin ich daheim - plus ein par Zerquetschte ( Rückreise ). Nach 65km kommt ein kleiner Supermarkt. Hier bekomme ich süße Stückchen und darf im Bistro (Wohnzimmer) das Gekaufte verzehren und mich aufwärmen.





Schöne Aussicht aus dem Wohnzimmer - sorry, meinte Bistro.




Zu lesen gibt's im Bistro genug, aber wer braucht Bücher bei gratis WLAN?




Im Supermarkt ist es halt am Schönsten.




"Jeg har aldri kysset noen fra det landet du kommer fra før."
Übersetzt:
"Ich habe noch nie jemanden aus Deinem Land geküsst."


Meinem Knie ging's heute erstaunlich gut. Ab und an hat es was sagen wollen, jedoch drückte und zog das linke Bein dann etwas mehr.




Quad in "extra Big"! :-)